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Romane

Garry Disher. Barrier Highway

Unionsverlag
Aus dem Englischen von Peter Torberg

Garry Dishers Reihe mit Constable Paul „Hirsch“ Hirschhausen spielt in Tiverton, einer fiktiven Kleinstadt in Südaustralien und zeichnet ein recht zermürbendes Bild des Lebens im Outback.
Auch im dritten Teil der Reihe verbringt Hirschhausen die längste Zeit seiner Tage im Auto, um von einem Ort zum anderen zu gelangen, nach dem Rechten zu schauen und den Menschen in seinem Zuständigkeitsgebiet auch mal handwerklich behilflich zu sein.
Doch nach und nach eröffnen sich Risse in der vermeintlich ruhigen Gegend. Zunächst stiehlt jemand die Wäsche älterer Damen von der Leine, ein Fall von grober Kindesvernachlässigung wird aufgedeckt, ein Vater bedroht nicht nur den örtlichen Schuldirektor mit Waffen und einer der wenigen wohlhabenden Männer der Gegend erweist sich als skrupelloser Geschäftemacher.
So dramatisch die Umstände, so lakonisch präsentiert Disher dieses Bild einer zerrütteten Gesellschaft. Er setzt nicht auf Action und Hochspannung, sondern rollt den Teppich der Ereignisse langsam aus und die Landschaft Südaustraliens unterstreicht das Gefühl der Vereinzelung. Die Nachbarn mögen einen Kilometer entfernt leben, und dennoch kann man sich gehörig auf die Nerven gehen und an Gerüchten aufhängen. Die vielen vereinzelten Fälle dieses Bandes verdichten sich zu einem gesellschaftlichen Bild Südaustraliens, das erstaunlich leicht auf europäische Großstädte übertragbar ist.
Möge Garry Disher auch hier endlich die Leserschaft finden, die er schon lange verdient.

Als Gegenbild zu Constable Hirschhausen, der stets versucht, die Kontrolle zu bewahren und für rechtliche Ordnung zu sorgen, sei auch Dishers neue Reihe um Sergeant Auhl empfohlen, der sich um ungeklärte, archivierte Fälle kümmert und geneigt ist, das Recht großzügig zu interpretieren. (Garry Disher: Kaltes Licht. Unionsverlag, 313 Seiten,13.95 €,  als Taschenbuch erhältlich) Christine Mathioszek

345 Seiten
22 Euro

Callan Wink. Big Sky Country

Suhrkamp Verlag

Aus dem amerikanischen Englisch von Hannes Meyer

 Ein Paar sitzt in der Abendsonne am See und einigt sich auf den Namen des Sohnes, der bald geboren werden wird. August soll er heißen, wie der Monat. So beginnt der Debütroman namens „Big Sky Country“ des jungen US-amerikanischen Autors Callan Wink. Eine Szene vollkommener Idylle.
Schon auf den nächsten Seiten aber wird klar: Die Ehe ist in die Brüche gegangen, Augusts Vater hat eine Affäre, seine Mutter versucht es mit Lichtnahrung. Alle drei wohnen sie aber noch auf der gemeinsamen Farm in Michigan. August wächst dort heran, doch zieht dann im Jugendalter mit der Mutter nach Montana, ins Big Sky Country. Nach der Highschool verdingt er sich als Hilfsarbeiter auf Bohrinseln und Bauernhöfen, während seine Mutter ihn lieber auf dem College gesehen hätte. Beim alten Farmer Ancient irgendwo im Niemandsland des Mittleren Westens wird er schließlich ansässig. August merkt jedoch bald, dass um ihn herum tiefere Konflikte schwelen. Warum wird Ancients Freundin Kim verleumdet? Warum stehen Schilder mit neurechten Parolen säuberlich arrangiert um das Haus seines Saufkumpels? Und will er diese alten Geschichten wirklich wissen? Eigentlich ist er doch nur hierhergekommen um sich mit körperlicher Arbeit zu betäuben. Um die Ereignisse des letzten Highschooljahres zu vergessen, über die er nicht sprechen kann.
Winks Roman erzählt nicht nur die Geschichte eines heranwachsenden Mannes mit all der Wirrnis, die die Adoleszenz mit sich bringt. Er erzählt auch die wechselvolle Geschichte Amerikas Ende des 20. Jahrhunderts auf sehr beiläufige wie präzise Weise. Die Bush-Ära, der 11. September, der Irakkrieg und das sich wandelnde Klima sind da einige prägnante Stichworte.
Auch sprachlich hat das Buch viel zu bieten. Wink komponiert sowohl scheinbar belanglose Dialoge und mechanisierte Arbeitsabläufe als auch prächtige Landschaften, Wetterlagen und furiose Szenen des Exzesses. Vor allem aber – und das macht den Roman aus – zeigt Wink, wie alle Vorstellungen und Handlungen, die August in seiner von verhärteten Männern bevölkerten Lebenswelt erlernt und übernommen hat, ihm nicht die Erfüllung bringen, nach der er sich sehnt. So sehr er es auch durch Einsamsein, Arbeiten, Trinken und Prügeln versucht. Anders als bei Hemingway oder Bukowski jedoch wird dieser Typus Mann nicht heroisiert. Vielmehr verkündet Wink dessen Abgesang.
Auf nachfolgende Werke des jungen Autors darf man daher durchaus gespannt sein. Tristan Wagner

320 Seiten
€ 24

Mariam Kühsel-Hussaini. Tschudi

Mariam Kühsel-Hussaini hat mit Tschudi ein wahres Kunstwerk geschaffen. Über 320 Seiten hinweg lernen wir Lesende das Berlin des Jahres 1896 und die Nationalgalerie mal durch die Augen ihres Leiters, Hugo von Tschudi, an dessen Seite Max Liebermann herrlich berlinert, mal durch die des Kaisers Wilhelm II. und dem zu ihm haltenden Maler Anton von Werner, kennen.
Zwischen Leidenschaft und Leiden zeichnet die Autorin das Porträt eines wahren Kunstkenners, der hinter seiner Maske immer weniger zu sehen sein wird, aber für die Sichtbarkeit der französischen Impressionisten und ihrer Farbgewalt kämpft. Wer schon einmal im Museum vor einem impressionistischen Gemälde gestanden hat, wird nicht umhin kommen, zu sehen, dass Kühsel-Hussainis Stil dem der Impressionisten nicht sehr fern ist. Ihre Worte haben Strahlkraft, elegant zusammengefügt und zu schwungvollen Sätzen vereint, bringt sie so eine komplexe Bildgewalt zu
Papier. Energetisch, poetisch, dicht, dann wieder lakonisch schlicht, berührend. Bunt durchmischt und unglaublich vielfältig ist das Vokabular von Kühsel-Hussaini, deren Sprach-Genius sich Seite für Seite entschlüsseln lässt und deren Intensität auch dann noch nachhallt, wenn der Roman schon längst seinen Platz im Bücherregal eingenommen hat. Antonia Truss

320 Seiten
€ 24

Amy Waldman Das ferne Feuer

Verlag Schöffling & Co

Aus dem Englischen von Brigitte Walitzek

Wie schon in ihrem letzten Buch „Der amerikanische Architekt“ greift Amy Waldman in ihrem neuen Roman (Originaltitel: A door in the earth) ein in vieler Hinsicht aktuelles Thema auf.
Es erzählt von einer ehrgeizigen Berkeley-Studentin mit afghanischen Wurzeln, die in ihrem Heimatland Amerika um die Integration dieser beiden emotionalen und mentalen Kulturen in ihrer eigenen Person ringt. Ausgelöst durch die Lektüre des Buches eines engagierten amerikanischen Arztes über seinen humanitären Einsatz in Afghanistan (u.a. dem Bau einer kleinen Geburtsklinik im Hinterland) beschließt sie begeistert - durch eigenes Engagement - die Theorie von humanitärem Einsatz in einem fremden Land in die Praxis umzusetzen und bei der Gelegenheit, die Suche nach den eigenen Wurzeln aufzunehmen. Sie fliegt nach Afghanistan, um den verehrten Arzt zu unterstützen. Was sie allerdings vorfindet, ist ganz anders als erwartet. Ihr Aufenthalt führt zu großer Verunsicherung und gedanklicher Instabilität. Nicht nur, weil sie den Zusammenprall zweier extrem unterschiedlicher Kulturen erlebt. Sie stellt auch fest, das vieles von dem, was sich als idealistisches und hochherziges Projekt gab, in Wirklichkeit beinahe das Gegenteil ist. Zudem sind die Menschen, mit denen sie während ihres Aufenthalts zusammen lebt, äußerst misstrauisch.
Als Chefredakteurin des Südasienbüros der New York Times kennt die Verfasserin Afghanistan aus eigenem Erleben und kann drastisch klarmachen, dass man mit unseren westlichen Vorstellungen dieses Land kaum versteht.
Die Naivität und Gutgläubigkeit der Hauptfigur - und ihre daraus folgende moralische Verwirrung - ist der Faden, an dem die Autorin die Handlung mit ihren dramatischen Konsequenzen aufrollt. Dabei spart sie die Komplexität der kulturellen, politischen, religiösen und moralischen Umstände keineswegs aus. Sie zeigt, wie gefährlich gut gemeintes Eingreifen werden kann.
Sehr lesenswert, sehr erhellend und sehr packend erzählt! KP

496 Seiten
26€

RALF ROTHMANN. HOTEL DER SCHLAFLOSEN


Suhrkamp Verlag
 
Ralf Rothmann ist ein Solitär unter den deutschsprachigen Gegenwartsautoren. Jenseits von Short- und Longlisten schafft er ein Werk, das mich von Anfang an als Leserin begeistert hat. Da sind die Ruhrpott-, die Berlin- und schließlich die beiden zuletzt erschienenen Kriegsromane - allesamt großartig. Und in regelmäßigen Abständen erscheinen seine Erzählungen: Hotel der Schlaflosen - so heißt der jüngste Band. Wer jemals eine Erzählung von Ralf Rothmann gelesen hat, weiß, dass er diese Gattung auf ein Niveau hebt, das seinesgleichen in der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur sucht. Man sollte sich hüten zu sagen, ein Roman wäre mir lieber. Sprachlich und dramaturgisch brillant und präzise, thematisch immer aufs Ganze gehend (Fear is a man‘s best friend), hat man als Leser das Gefühl, mit jeder Geschichte einen Kurzroman zu lesen. Tief bewegt und nachdenklich bleibt man nach der Lektüre zurück und wird diese Geschichten nicht mehr ganz los. Die Erzählrahmen und Figuren sind vielfältig, und doch scheint in allem etwas zutiefst allgemein Menschliches auf. Ralf Rothmann versteht nicht nur sein Handwerk, sondern begeistert durch Empathie und Einfühlungsvermögen. Hier weiß einer, dass Literatur und Leben eins sind, und hier weiß einer, wann welches Wort wo stehen muß und wann es keines weiteren mehr bedarf. Herausragend! sg
 
200 Seiten
€ 22,-

Peter Schneider. Vivaldi und seine Töchter


Verlag Kiepenheuer & Witsch

Schon als Schüler, selbst Geige spielend, war Peter Schneider fasziniert von Vivaldis Musik. „Vivaldi und seine Töchter“ ist sein Erinnerungsbuch für den Kameramann und Freund Michael Ballhaus, dessen Plan, Vivaldis Töne filmisch in Bilder zu bannen, ihm  nicht mehr gelang. Vor allem aber ist es das spannende Porträt des Menschen Vivaldi, zerrissen zwischen seinen kirchlichen Pflichten als Priester und seiner musikalischen Berufung und Leidenschaft.
Vivaldis zentrale Wirkungsstätte in Venedig war das „Ospedale della Pietà“, ein auch in der damaligen Zeit besonderes Waisenhaus, wo er mit den musikalisch begabten Schülerinnen als Lehrer und Dirigent arbeitete. Viele der Kantaten, Sonaten und Konzerte komponierte er für „seine Töchter“ - nicht nur für die Geige, die er selbst virtuos spielte, sondern auch für damals wenig beachtete Instrumente, z.B. die Trompete. Unter seiner Leitung wurden Mädchenchor und -orchester berühmt, um sie zu hören, reisten aus ganz Europa Fürsten und Musikbegeisterte nach Venedig. Ohne sich in folkloristisch/voyeuristische Schilderungen zu verirren, gelingt es Peter Schneider, die Balance zu finden zwischen der biographischen Erzählung und der sorgfältig recherchierten Beschreibung des venezianischen Lebens zu Beginn des 18. Jh., den Machtansprüchen von Kirche und Serenissima und den harten Bedingungen musikalischen Schaffens der Zeit.Peter Schneider hat einen spannenden Roman geschrieben, im Zentrum immer Vivaldi und seine Musik, über die er mit großem musikalischem, anregendem Wissen schreibt, ein Vergnügen zu lesen und Lust machend, Vivaldis Musik wieder zu hören. rg

288 Seiten
€ 20,00

Gabriele Tergit. Effingers

Schöffling Verlag

Am Beginn des großen Epochenromans „Effingers“ der Schriftstellerin und Gerichtsreporterin Gabriele Tergit steht ein Brief. Es ist das Jahr 1878 und der siebzehnjährige Paul Effinger schreibt an seine Eltern in der süddeutschen Provinz vom großen Aufschwung. Er berichtet von seinen Erlebnissen als Arbeiter in der rheinländischen Industrie. Später geht er nach Berlin, wird Fabrikant, produziert die Effinger-Motoren und heiratet in die großbürgerliche Familie Oppner ein. Es ist die neue Zeit und der „Fortschritt“ die Losung der Stunde!
Am Ende des Romans schreibt der nun einundachtzigjährige Paul Effinger an seine Enkel, wünscht ihnen dass sie alle Schrecken überstehen mögen. Es ist das Jahr 1942, er wartet auf seine Deportation. Seine Fabrik ist nun ein Rüstungskonzern der Nazis.
Zwischen diesen beiden Briefen entfalten sich siebzig Jahre deutscher Geschichte von der Kaiserzeit, über den ersten Weltkrieg und Weimarer Republik bis zum Aufstieg der NSDAP und dem 2. Weltkrieg. Die Mitglieder der jüdischen Familien Oppner, Goldschmidt und Effinger bilden das Figurenarsenal, ihre Verwobenheit die immerwährende Konstellation des Romans. In ihnen spiegeln sich die kulturellen, sozialen und ökonomischen Verhältnisse wie auch die Denkgebäude der Zeit.
Paul Effinger ist ein rechtschaffener Kaufmann, den Idealen von Sparsamkeit und Ehrlichkeit verpflichtet. Sein Schwiegervater hatte noch in der Revolution 1848 gekämpft. Seine Tochter Lotte und seine Nichte Marianne hören Vorträge in den Frauenverbänden und sehen sich dem Sozialismus und später dem Zionismus nah.

Tergits Epos gleicht einer Drehbühne mit offenen erzählerischen Räumen, in denen jedes Schicksal seinen Platz bekommt. Tergit setzt harte Schnitte, komponiert schnelle Dialoge. Doch die Momente des Lebens – das sonntägliche Familienessen, das erste Verliebtsein, die pompöse Heirat, der Abschied von einem geliebten Menschen – werden bewahrt, vor allem in den konkreten Dingen: in Interieur, Kleidung, Accessoires, Architektur, Speisen, Kunst, dem Berliner Stadtbild.
Nichts ist hier bloße Kulisse. Es ist eine versunkene Welt, die vor dem lesenden Auge wieder auflebt und am Ende doch in Schutt und Asche liegt. Es ist ein großes Verdienst des Schöffling Verlages dieses Stück jüdisch-deutscher Geschichte – gespiegelt in eindrucksvoller Literatur – wieder erlesbar gemacht zu haben. tw

904 Seiten
€ 28,00

Ab September 2020 im Tachenbuch für € 14,00

DEEPA ANAPPARA. DIE DETEKTIVE VOM BHOOT-BASAR

Rowohlt Verlag
 
Aus dem Englischen von pociao und Roberto de Hollanda

 
Der kleine Jai aus dem Basti* neben der großen Stadt ist leidenschaftlicher Fan bekannter Fernsehermittler. Daher wundert es nicht, dass er beschließt, der Sache auf den Grund zu gehen, die seine Nachbarschaft in Atem hält: Nach und nach verschwinden mehrere Kinder im Basti spurlos. Die Polizei bleibt unbeteiligt (und kassiert lieber Hafta* und Goldkettchen), die Hindu-Samah* nutzt die Vorfälle und hetzt gegen die muslimische Bevölkerung, die kleinen Leute wagen den Aufstand nicht, weil sie befürchten, dass die Regierung, der ihr Basti ohnehin ein Dorn im Auge ist, ihre Hütten niederbulldozert.
Mit seiner schlauen Freundin Pari und seinem muslimischen Freund Faiz streift Jai auf der Suche nach Spuren durch den riesigen, verschlungenen Bhoot-Basar. Gemeinsam mit dem liebenswerten Suchtrupp spähen wir in die ärmlichen, beengten Hütten, träumen von der HiFi-Welt, die sich hinter der stinkenden Müllkippe, auf der man N°1 und N°2 verrichten kann, glitzernd in den Himmel reckt, fahren mit der Purple Line in die große Stadt und lernen allerlei indisches Leben kennen.
Gezuckerte Fenchelsamen, Mangopulver, mit Kardamom bestrichene Süßkartoffeln, Samosas und Biryani ziehen sich durch den Text, aber auch Elend, Schmutz, Korruption und dichter Smog. Bis zum Schluss scheint vieles möglich, bis, ja, bis Runu-Didi verschwindet, Jais Schwester.
Ein durch und durch sympathisches Buch, dessen Autorin und Übersetzern es auf wundervolle Weise gelingt, uns eine wirklich fremde Welt näher zu bringen. Die erzählerische und stimmungsvolle Leichtigkeit ist umso bemerkenswerter, wenn man weiß, dass der Roman einen schrecklich wahren Hintergrund hat.
Wir sagen okay-tata-bye* und wünschen dir viel Glück, kleiner Jai! NC
 
* Mehr davon? Dann empfehlen wir das nützliche Glossar auf den letzten Seiten des Buches!
 
400 Seiten
€ 24,-

Davide Longo. Die jungen Bestien

Rowohlt Verlag

 

Vincenzo Arcadipane, piemontesischer Kommissar mit Potenzproblemen und unkontrollierbaren Weinkrämpfen, wird zu einem Massengrab gerufen, das auf der Neubaustrecke des Schnellzugs entdeckt wurde, doch wird er des Falls schneller enthoben als er ein Lakritzbonbon lutschen kann. Kurzerhand werden die Skelette als Kriegsopfer deklariert und sämtliche Beweisstücke eingezogen. Arcadipane ist skeptisch und wendet sich an seinen alten Chef Bramard, der aus der italinischen Geschichte heraus eigene Ideen zu den Hintergründen hat.

Als junger Polizist wurde er in den bleiernen Jahren der 1970er und 1980er in die politische Abteilung berufen und muss sich nun erneut mit den Zusammenhängen und Auswirkungen dieser Zeit auseinandersetzen, die bis in die Gegenwart reichen. Gemeinsam mit einer kalt gestellten jungen Kollegin schaffen Arcadipane und Bramard es, etwas Licht in die Geschichte zu bringen. Den politischen Verwicklungen stehen die privaten Probleme der Männer gegenüber, die von den Frauenfiguren mit Witz, Muße und Skurrilität konfrontiert werden.

Der Roman spielt auf zwei Zeitebenen und experimentiert mit den Leseerwartungen, indem er beispielsweise mehrere Prologe einschiebt. Dennoch ist man sogleich im Geschehen, da Davide Longo so eindringlich erzählt, dass man direkt auf der ersten Seite mit dem Kommissar und seinem Team im Regen steht und einem die Nässe durch die Kleidung dringt.

Zudem ist der Roman eine interessante Annährung an die jüngere, noch immer nicht aufgeklärte, Geschichte Italiens.

410 Seiten
€ 22,-

RONYA OTHMANN. DIE SOMMER

Hanser Verlag
 
Jedes Jahr im Sommer besucht Leyla ihre Großeltern in einem Dorf in Nordsyrien. Wie ihr Vater sind sie kurdische Jesiden. Das Dorf liegt nahe der türkischen Grenze. Die Dorfbewohner sind der Grenzpolizei ausgesetzt, ihrer Willkür und militärischen Präsenz. Leyla fühlt sich jeden Sommer wie eine Prinzessin auf Staatsbesuch. In ihren sauberen Kleidern klebt nach wenigen Stunden der ewige Staub der nordsyrischen Felder. Sie kennt die Schlaglöcher des Dorfes nicht und verliert dadurch bei jedem Kinderspiel, bei dem es ums schnelle Davonkommen geht. Leyla lebt eigentlich in Süddeutschland und durchläuft dort eine normale Mittelschichtsskindheit und -jugend. Doch die Familiengeschichte, die vor allem die Fluchtgeschichte des Vaters ist, kann und darf sie nicht loslassen, weil sie fester Teil ihrer Existenz ist. Der Vater verließ das kleine Grenzdorf, weil er sich weigerte als Spion zu arbeiten. Es folgte: Flucht, Gefangennahme, Folter. Dann Freikommen und Ankommen, das Gründen einer Familie in Deutschland. Doch der Vater ist gebrochen, sitzt Tag und Nacht vor dem Fernseher. Als 2014 der IS Tausende Jesiden tötet und verfolgt, fasst Leyla einen Entschluss.
Ronya Othmanns Roman ist ein Zeugnis von Krieg und Flucht, gleichzeitig eine Erzählung die diese Ereignisse innerhalb des Organismus einer Familie eindringlich beleuchtet. Eine innige Liebe verbindet Leyla mit der Großmutter. In kleinen intensiven Szenen lebt diese Verbindung auf, wird eingefangen in der Bewältigung des kärglichen Alltags im Dorf. Leylas Ohnmacht den politischen Zuständen gegenüber, ihre Entfremdung vom geliebten Vater sowie persönliche Autonomiebestrebungen – all das ist in einem scheinbar nur beschreibenden Ton erzählt. Doch sind es gerade die Schlupflöcher in der Lakonie durch welche das lesende Auge ins bewegte Innenleben der Figuren blickt. Dass der Roman ohne Ironie und vorgeschobenen Subjektivismus auskommt – das macht ihn zu einem bemerkenswerten Romandebüt der jungen deutschsprachigen Gegenwartsliteratur. Tristan Wagner
 
288 Seiten
€ 22,-

BEN LERNER. DIE TOPEKA SCHULE

Suhrkamp Verlag

Aus dem amerikanischen Englisch von Nikolaus Stingl

Zu Beginn des Romans sitzt Adam Gordon, ein redegewandter Highschool-Absolvent, eigentlich romantisch, mit seiner Freundin in einem Boot, hält ihr eine Rede und merkt nicht, wie sie ihm buchstäblich entgleitet. Sie verlässt das Boot und schwimmt an Land, was ihm erst auffällt, als er seinen Vortrag beendet hat und dessen Wirkung auf sie sehen möchte. Fast empört macht er sich auf die Suche nach ihr, zu guter Letzt auch noch im falschen Haus, ein Umstand, der ihm erschreckend spät auffällt, nämlich auf der Toilette im unvertraut wirkenden Badezimmer ihres vermeintlichen Zuhauses.

Dies ist eine gewitzte Einführung in eines der Hauptthemen dieses Romans – die Sprache. Hier als ungeeignetes Mittel männlicher Selbstprofilierung, in späteren Kapiteln als Mittel der Gewalt, der Verständigung und der politischen Rhetorik, die Inhalte nebensächlich werden lässt.

Ben Lerner, Sohn der bekannten feministischen Psychotherapeutin Harriet Lerner und vor allem als Lyriker bekannt, zeichnet in seinem dritten autofiktionalen Roman mit viel Selbstironie ein Bild der weißen US-amerikanischen Mittel- und Oberschicht in den 1990er Jahren, die er als Wegbereiter für die heutige politische Situation in den USA ausmacht. Zugleich erzählt er eine berührende Familiengeschichte, die Hoffnung auf positive Veränderungen erlaubt und bleibt sich dabei stets bewusst, dass er nur für einen bestimmten, privilegierten Teil der Gesellschaft sprechen kann, dem er selbst entstammt. Und das ist nur ein Aspekt dieses spannenden Buches, das man gerne gleich nochmal lesen würde und über das man sich unbedingt mit anderen austauschen möchte. Sehr lesenswert. Christine Mathioszek

395 Seiten
€ 24,-

ANDREAS SCHÄFER. DAS GARTENZIMMER

Dumont Verlag
 
Ob eine Seele ein Haus hat – wer kann das wissen. Dass ein Haus eine Seele haben muss, leuchtet spätestens nach der Lektüre des Gartenzimmers ein.
Der Neoklassizismus haucht der Villa Rosen ihren Geist ein, später toben die eiskalten Stürme von Nationalsozialismus und Krieg durchs Gebälk, legen sich und frischen wieder auf, sodass dem jüngsten Bewohner des Hauses noch 50 Jahre später angst und bange wird. Aber die zugige Schönheit hat Charme und ist nicht undankbar. Ihrem Erbauer, dem jungen Architekten Max Taubert, bringt sie späten Ruhm, den Namensgebern, Adam und Elsa Rosen, ist sie lange ein sicheres Heim und bietet dem Philosophen Ruhe, der Dame von Gesellschaft eine Bühne. Eben das suchen in den Neunzigerjahren auch Hannah und Frieder Lekebusch mit Sohn Luis, die sich für das vor sich hin modernde Haus beinahe ruinieren, mit Erfolg: Sie erwecken die am Fluss der Zeit dösende geheimnisvolle Dahlemer Schöne wieder zum Leben. Aber mit dem Leben kehrt auch die Geschichte des Gartenzimmers zurück, und den jungen Luis schaudert es oft. Ein Brief aus dem Archiv des Architekten erklärt einiges – Luis fühlt sich beobachtet von Tausenden toten Kinderaugen. »In diesem Haus hat die Vergangenheit keinen Ort. Sie vergeht nicht. Alles ist immer da. Gegenwärtig.«
Andreas Schäfer erzählt so eindringlich und anschaulich, dass man das Romanhafte bisweilen ausblendet und den Architekten nachschlägt. Rezensenten beschäftigten sich bereits mit der Frage, wer dem Roman Porträt saß. Mies van der Rohe? Sein Landhaus Riehl in Potsdam? Sicher ist, dass man sich gleich auf den Weg machen möchte, das Haus zu suchen. Denkmalgeschütztes Kleinod der Vormoderne. 280 m², 8 Zimmer, Baujahr 1909. Forststeig 4, Berlin-Dahlem, vielleicht gibt es die Villa ja doch. Norma Cassau
 
352 Seiten
€ 22,-

Guillermo Martinez. Der Fall Alice im Wunderland

Aus dem Spanischen von Angelica Ammar
Eichborn Verlag
 
Eine junge Oxforder Studentin Kristen findet zwischen den Papieren Lewis Carrolls eine Notiz, die eine Neubewertung der gesamten Forschung über den Schriftsteller erfordern würde. Doch bevor sie ihre Entdeckung publik machen kann, wird sie von einem Auto angefahren und liegt nicht ansprechbar im Krankenhaus. Es folgen Anschläge auf Mitglieder der Lewis-Carroll-Bruderschaft, woraufhin der Mathematikprofessor Arthur Seldom, selbst ein Angehöriger der Bruderschaft, und sein argentinischer Doktorand sich erneut an die detektivische Arbeit machen.
„Der Fall Alice im Wunderland“ ist ein klassischer „Whodunit“ und besonders reizvoll, da er sich auf tatsächliche Forschungsansätze zu Lewis Carroll bezieht, über den man hier nebenbei eine Menge erfährt, und es mühelos schafft, das Oxford der 1990er Jahre, einer Zeit ohne Mobiltelefone und Internet, so nostalgisch erscheinen zu lassen als bewege man sich in der Zeit Lord Peter Wimseys.
Ein sehr britischer Krimi des argentinischen Mathematikers und Schriftstellers Guillermo Martinez, der selbst in Oxford studiert hat und in der Tradition Agatha Christies und Arthur Conan Doyles schreibt. cm

314 Seiten
€ 16,-

Young-Ha Kim. Aufzeichnungen eines Serienmörders

Aus dem Koreanischen von Inwon Park
Cass Verlag
 
Byongsu Kim ist mit 70 Jahren Tierarzt im Ruhestand, Lyriker und Vater. Ach ja, fünfundzwanzig Jahre zuvor war er auch Serienmörder. Während es in seinem Landkreis eine neue Mordserie gibt, wird bei ihm eine schnell fortschreitende Demenz festgestellt.
Als er den Täter zu erkennen meint, von dem auch er sich durchschaut glaubt, setzt er es sich zur Aufgabe, ihn umzubringen, um seine Tochter zu retten, deren Leben er in Gefahr sieht.
Auf nur 152 Seiten folgt man den Anstrengungen des Mannes, in der Gegenwart verankert zu bleiben und liest mit Vergnügen seine Betrachtungen des Daseins, die interessante Parallelen zwischen Mord und Literatur ziehen. Sein letzter Auftrag wird zu einem Wettlauf mit der Zeit und sich selbst, da er zunehmend verunsichert ist, ob er sich auf seine Zuordnungen der Ereignisse noch verlassen kann. Das hält auch den Leser in Atem und führt zu unerwarteten Entwicklungen. In seiner Dichte und mit den philosophischen Einstreuungen des Erzählers sind diese Aufzeichnungen viel mehr als ein Krimi.
Zudem ist das Buch außergewöhnlich schön gestaltet und mit den Erinnerungen des Erzählers verblassen auch die Seitenzahlen im Verlauf des Buches. cm

152 Seiten
€ 20,-

Chris Kraus. Scherbentanz

Diogenes Verlag
 
Der wilde Debütroman des deutschen Filmemachers und Schriftstellers Chris Kraus ist eine Berg- und Talfahrt durch die Trümmer einer Familie aus wohlhabenden Milieu. Der 33-jährige Jesko von Solm, Sohn eines schwerreichen Zementfabrikanten, der nach furchtbaren familiären Verletzungen und Verwerfungen vor Jahren die Familie verlassen hat, kehrt notgedrungen wieder zurück auf der Suche nach seiner Mutter, die als einzige als Knochenmarkspenderin zur Behandlung seiner Leukämie in Frage kommt. Mit diesem existenziellen Impuls gerät er in einen Tumult alter seelischer Wunden, Geheimnissen und Verrücktheiten. Er wird konfrontiert mit der NS-Vergangenheit und dem Flüchtlingsschicksal und muss seine Stellung dazu finden. Das alles wird in einer lakonischen Sprache erzählt, die gelegentlich das Pathos nicht meidet, aber immer, selbst im Grotesken, realistisch bleibt. Das Ganze läuft auf einen filmreifen Showdown zu.
Im Nachwort zur Neuausgabe seines Erstlings erzählt der Autor, wie er damals mit seinem Freund Volker Schlöndorff zu Günter Grass fuhr und diese Begegnung zum Anlass für das vorliegende Buch wurde. Hinreißend erzählt! kp

256 Seiten
€ 22,-

Sebastian Barry.Tausend Monde

Aus dem Englischen von Hans-Christian Oeser
Steidl Verlag

 
Sebastian Barrys „Tausend Monde“ spielt im Amerika nach dem Bürgerkrieg Ende des 19. Jahrhunderts. Die beiden Unionssoldaten Thomas McNulty und John Cole haben sich auf einer Farm irgendwo in Tennessee niedergelassen. Mit im Schlepptau haben sie das Lakota-Mädchen Winona, deren gesamter Stamm ausgerottet wurde und das sie vom Schlachtfeld retteten. Aus Winonas Sicht wird nun die Geschichte erzählt: Wie sie versucht in einer ihr feindlich gesinnten Gesellschaft aufzuwachsen, wie sie ihr gefährdetes Erwachsenwerden und ihre erste Liebe findet und empfindet, wie sie für ihre Freunde und Ersatzfamilie einsteht. Barry schafft es, wie auch in seinem Vorgänger „Tage ohne Ende“ einen lässigen, aber bildgewaltigen Ton für diese jugendliche Perspektive zu finden, die inmitten einer konkreten historischen Situation sehr universell wirkt. Stellenweise erinnert er dabei an moderne amerikanische Klassiker wie J.D. Salinger oder William Melvin Kelley. Barrys Sprache ist intensiv, episch und von Humor und Suspense getränkt. Er verbindet in „Tausend Monde“ kunstvoll die Angelegenheiten eines Coming-of-Age Romans mit einer sorgsam aufpolierten Ästhetik des klassischen Westerns. Und das auf sehr unterhaltsame und noch dazu informative Weise! tw

256 Seiten
€ 24,-

Thilo Krause. Elbwärts

Hanser Verlag
 
Das Buch "Elbwärts" von Lyriker und Romanautor Thilo Krause führt ins Sachsen der späten DDR zu zwei unzertrennlichen Jugendfreunden. Ihre Leidenschaft ist das Klettern in den Sandsteinriffen der umliegenden Wälder. Bis einer vom Felsen stürzt ­ die Behinderung des einen und das Schuldgefühl des anderen bleiben.
Später, nach der Wiedervereinigung und im Erwachsenenalter, kehrt der Ich-Erzähler mit der neugegründeten Familie zurück in die Provinz und will die Wiederaufnahme der Freundschaft. Doch die Zeiten, sie sind andere.
Thilo Krause streift aktuelle gesellschaftlichen Fragen des oftmals als abgehängt erklärten Ostens nur implizit. Seine Hauptfigur ist ein moderner Sinnsucher in Gestalt des natureuphorischen Romantikers. Wunderbare Gebirgs- und Wanderbeschreibungen durchziehen das Buch, immer wieder durchbrochen von Erinnerungen an die Spätphase der DDR und das heutige Ankommen in der Provinz. Als sich Krauses Hauptfigur langsam in eine Sackgasse aus Erinnerungslasten und demVerlust seiner engsten Liebsten manöviert, rollt ein Hochwasser die Elbe hinab auf das Dorf zu.
Doch es scheint noch einen Ausweg zu geben...
„Elbwärts“ verhandelt große Themen wie Freundschaft, Zugehörigkeit und biographische Brüche in einer sehr unaufgeregten Weise und ist zudem in einer sehr feinen poetischen Sprache geschrieben. tw

208 Seiten
€ 22,-

Christine Wunnicke. Die Dame mit der bemalten Hand

Berenberg Verlag
 
„Die Dame mit der bemalten Hand“ von Christine Wunnicke war dieses Jahr für den Deutschen Buchpreis nominiert und schaffte es bis auf die Shortlist. Und das zurecht. Große Themen wie Weltwahrnehmung, Welterklärungsmodelle sowie der jahrtausendealte Blick in den sternenübersäten Nachthimmel werden darin spielerisch und leicht verhandelt. Wunnickes Buch ist dazu ein sprachliches Kleinod, durchzogen von einer subtilen intelligenten Ironie. Worum geht’s? Der deutsche Mathematiker Carsten Niebuhr und der arabische Astronom Musa al-Lahuri treffen sich Ende des 18. Jahrhunderts unfreiwillig auf einer einsamen Insel im Randmeer des Indischen Ozeans. Während al-Lahuri dort nur ein wenig Ruhe sucht, widmet sich Niebuhr erfolglos der Erforschung biblischer Schauplätze und morgenländischer Gepflogenheiten. Nachdem er von einem Fieber vorerst von al-Lahuri geheilt wurde, sinnieren die beiden Wissenschaftler über die Welt, die Sterne, die Kunst des Erzählens selbst. Dabei reden sie nicht selten herrlich aneinander vorbei. Als schließlich die Engländer die Insel erreichen und Niebuhr mitnehmen, ist diese amüsante und amüsierende Schicksalsgemeinschaft auch schon wieder passé. Doch Niebuhrs später veröffentlichte Reisebeschreibungen fallen bald auch Musa al-Lahuri wieder in die Hände – als dieser gerade mit seiner Tochter die dümmsten Bücher der Weltgeschichte auswählt. Wunnickes klug konstruiertes Büchlein indessen gehört beileibe nicht dazu, vielmehr gehört es gelesen! tw
 
176 Seiten
€ 22,-

Isabelle Mayault. Eine lange mexikanische Nacht

Aus dem Französischen von Jan Schönherr
Rowohlt Verlag
 
2007 tauchte in New York der sogenannte „Mexikanische Koffer“ auf, in dem sich ca. 4.500 Negative mit Aufnahmen aus dem Spanischen Bürgerkrieg der Kriegsfotografen Robert Capa, David Seymour und der Kriegsfotografin Gerda Taro befanden.
Isabelle Mayault, die für ihre feministischen Reportagen bekannte französische Journalistin, erzählt in ihrem ersten Roman von der geheimnisvollen Reise dieses Koffers. Unbemerkt gelangt er in den politischen Wirren der Zeit von Europa nach Mexiko und wechselt dabei mehrmals den Besitzer, um dann Jahrzehnte später in New York wieder aufzutauchen. Mayault beschreibt mit einer ungewöhnlichen Leichtigkeit die sehr angespannte und komplexe gesellschaftliche und politische Lage, die in den 30er und 40er Jahren in Europa herrschte, und fängt damit dennoch gekonnt die Stimmung des Spanischen Bürgerkriegs ein. Ihre Geschichte und auch der Hauptcharakter Jamón sind geprägt von starken Frauen, die ihr eigenes Schicksal und damit auch das Schicksal der Welt in die Hand nehmen.
Mit ihrer weltoffenen und einfühlsamen Erzählweise hat Isabella Mayault es geschafft, für „Eine lange mexikanische Nacht“ mit dem Prix Ulysse du Premier Roman 2019 ausgezeichnet zu werden. hw

 
240 Seiten
€ 22,-

Denis Osokin. Goldammern

Aus dem Russischen von Christiane Körner
ciconia ciconia
 
Goldammern heißt eine Erzählung in dem gleichnamigen Band von Denis Osokin, soeben beim ciconia ciconia Verlag erschienen, der Künstlern aus Osteuropa und aus dem postsowjetischen Raum ein Forum bieten möchte.
Adebar ist Fotograf im Papierkombinat von Neja im Verwaltungsbezirk Kostroma. Als sein Direktor Miron ihn bittet, ihm behilflich zu sein, nach Art der Merja seine vergangene Nacht verstorbene Frau Tanja zu verbrennen, ist er einverstanden. Gemeinsam ziehen sie Tanja aus und wieder an und flechten ihr, wie bei den Merja üblich, bunte Bänder ins Honig-und-Brot-Haar. Mit der »tief toten« Tanja auf der Rückbank, und zwei Goldammern, die Adebar zuvor auf dem Markt gekauft hatte, fahren sie los ans Ufer der Oka. Dort war Miron mit Tanja einst als junger Mann im Honigmond glücklich - und auch das gehört zur Tradition: viel »Rauch machen« und vom Honigglück erzählen.
So wie die Goldammern sind auch die anderen Geschichten von Denis Osokin - voller Fantasie und Poesie flattern sie traumgleich über der Wirklichkeit und werden von geografischen und ethnischen Koordinaten nur scheinbar am Boden gehalten und in der Realität verankert.
Goldammern, das vom ciconia Verlag in einer geschmackvollen, limitierten Ausgabe mit hübschen schwarz-weißen Abbildungen herausgebracht wurde, war schon als „Stille Seelen“ auf Festivalleinwänden erfolgreich. Nun hoffentlich als Buch. Es sei allen Bibliophilen, Neugierigen, Fans der russischen Avantgarde und Lesern der Lyrik ans Herz gelegt, und ebenso allen, die wissen möchten, was das weite Russland außer Putin noch zu bieten hat.

 
206 Seiten
€ 25,-
 
 
Dieses Buch ist nicht im Onlineshop erhältlich, dafür im Laden.

Giulia Caminito. Ein Tag wird kommen

Aus dem Italienischen von Barbara Kleiner
Wagenbach Verlag
 
Wenn die Raben mit einer Familie am Tisch essen, so schreibt die Autorin, will das nichts Gutes heißen. Der Tisch steht in Serra de Conti in den italienischen Marken, im Hause der Familie Ceresa, dessen Oberhaupt Luigi, wie schon Generationen vor ihm, der Bäcker im Ort ist. Seine Frau ist halb blind, seine Kinder sterben, nur wenige sind ihm geblieben. Darunter Lupo und Nicola. Letzterer ist ein schreckhafter Sonderling, er liebt die Buchstaben und ist zu nichts zu gebrauchen. Ersterer lernt schon als Kind hart auf den Feldern zu arbeiten, er streift umher und entdeckt die Armut der Bauern, die Land bestellen, das ihnen nicht gehört. So verschieden die Brüder auch sind, wenn sie Trost suchen, schlafen sie noch als Jugendliche im selben Bett. Aber es gibt Krieg und es ist ein großes Unglück, dass der schwache Nicola eingezogen wird. Lupo fühlt sich schuldig, weil er seinen Bruder nicht mehr beschützen kann. Er wächst zu einem wütenden jungen Mann heran, der sich den Anarchisten anschließt und seinen eigenen Krieg führt – gegen Armut, Elend, Unterdrückung und Abhängigkeit.
Caminito fand den Romanstoff in der Geschichte ihrer eigenen Familie, insbesondere ihr Urgroßvater stand dafür Modell, aber auch die noch heute im Kloster von Serra de Conti verehrte Äbtissin Zeinab Alif alias Maria Giuseppina Benvenuti. Geschickt verquickt die Autorin ihre Fiktion mit der Geschichte Italiens – mit der anarchistischen Bewegung, dem Ersten Weltkrieg, Mussolini und der Spanischen Grippe, über die sie schreibt: »Drei Tage genügten und Addio, am ersten Tag kam das Fieber, am zweiten barst einem die Lunge, und am dritten bekam man keine Luft mehr.« Ja, das kommt uns bekannt vor.
Eine tolle Empfehlung für alle Gerneleser von Francesca Melandri.nc

 
272 Seiten
€ 23,-

Anne Carson. Rot. Zwei Romane in Versen

Aus dem Englischen von Anja Utler
S. Fischer Verlag
 
Geryon verliebt sich unsterblich in Herkules. Sie haben eine Affäre bis der umtriebige Herkules weiterzieht und Geryons junges Herz in großen aber produktiven Liebeskummer stürzt. Einen Weg hinaus findet er in und mit der Kunst.
Ja, richtig gelesen. Und nein, Herkules stiehlt diesmal keine Rinderherde von der Insel Erytheia. Ganz im Gegenteil. Herkules ist ziemlich beschäftigt, die Welt mit seinem Charme um den Finger zu wickeln und dabei seiner Abenteuerlust nachzugehen.
Die kanadische Altphilologin und Dichterin Anne Carson taucht alte Mythen in ein neues Licht: Sie ermächtigt sich mythischer Figuren und erzählt eine andere Geschichte in Versform. Das geschieht in einer sprachlichen Kunstfertigkeit (kongenial übersetzt von Anja Utler), der man selten begegnet. Andauernd muss man pausieren, die letzten Verse repetierend, damit man auch nur nichts verpasst, denn die Assoziationsräume sind grenzenlos. Grenzen kommen sowieso nicht vor, nicht im Text und auch nicht in der Form. Ein absoluter Lesegenuss für Abenteuerlustige. hd

 
320 Seiten
€ 24,-

Anne Weber. Annette, ein Heldinnen-Epos

Verlag Matthes & Seitz Berlin
 
Eine Heldinnengeschichte des zwanzigsten Jahrhunderts in Form eines Epos verfasst - kann man denn sowas für die heutigen Leser schreiben? Werden sich einige Verlage gefragt und dankend abgelehnt haben, bis der unerschrockenste aller Verleger, Andreas Rötzer, das literarische und inhaltliche Potential dieses wahren Meisterwerks erkannt und in seinem unverwechselbaren Verlag Matthes & Seitz verlegt hat.
Leicht lesbar, auf traditionelle Reimform und strenges Versmaß verzichtend, weder ausschweifend noch überladen, hinreißend frei im Umgang mit Tradition und Regeln unterläuft Anne Weber all diese, unsere Vorstellungen und Bilder, wenn wir das Wort (Heldinnen)Epos lesen.
Sie hätte sich nicht vorstellen können aus der Lebensgeschichte der französischen Widerstandskämpferin Anne Beaumanoir einen traditionellen Roman zu machen, zu wenig Distanz und am Ende zu wenig Freiheiten, was das Schreiben betrifft, sagt sie in einem Interview.
So lesen wir eine hinreißende Erzählung über eine mutige, unerschrockene Frau, die mit nicht einmal achtzehn Jahren in den französischen Widerstand schlittert, mit dem Fahrrad kleine Päckchen von hier nach da transportiert und dann mit diesen unauffälligen Fahrten und den ersten „klandestinen“ Treffen plötzlich mittendrin steckt in einem Leben und Tun, dass nicht immer das Recht auf seiner Seite weiß - aber die Gerechtigkeit.
Der aktive Kampf in der Résistance gegen fremde Besatzer wird nach dem Krieg geadelt, was aber, wenn man gegen das eigene Volk als Besatzungsmacht in Algerien erneut in den Widerstand geht? Annette hat ihre festen Überzeugungen und ihr Tatendrang scheint schier ungebremst. Der Staat antwortet mit Gefängnis, Annette mit Flucht.
„Der Kampf, das andauernde Plagen und Bemühen hin zu großen Höhen, reicht aus, ein Menschenherz zu füllen. Weshalb wir uns Sisyphos (Annette) am besten glücklich vorstellen."
Ein Buch, so klug wie herausfordernd, so frisch wie radikal - ein unvergessliches Leseabenteuer. Ausgezeichnet mit dem Deutschen Buchpreis 2020. sg

 
207 Seiten
€ 22,-

Richard Middleton. Das Geisterschiff

Aus dem Englischen übersetzt von Andreas Nohl
Steidl Verlag
 
Andreas Nohl gibt in der Reihe Steidl Nocturnes kleine, feine Bücher heraus, welche sich mit dem Dunklen und Abgründigen beschäftigen. „Das Geisterschiff“ ist nun als drittes Buch der Reihe erschienen.
Es sind dreizehn kurze Erzählungen, die mitunter daherkommen wie Sagen, Märchen oder alte Gruselgeschichten. Es sind Erzählungen von Menschen, denen etwas Seltsames widerfährt, die an den Rändern des Lebens unterwegs sind. Dort, wo sich eine vermeintliche Realität mit anderen Dingen vermengt. Doch trotz aller Abwegigkeit und dramatischem Geschehen, blitzt hie und da auch ein Funken Humor auf.
Beim Lesen hört man fast die Stimme der alten Frau am Feuer, die einem gerade diese Geschichte erzählt, so dass man mit einem leichten Schaudern im Rücken ins Bett gehen muss.
Richard Middletons Leben war weder von großem Glück noch von großem Erfolg gekrönt. Erst nach seinem Tod wurde er bekannt. Das tat seinem Drang zu schreiben keinen Abbruch. Zum Glück für die heutigen Leser.

128 Seiten
€ 18,-

Fabio Andina. Tage mit Felice

Aus dem Italienischen von Karin Diemerling
Rotpunkt Verlag


Es passiert nicht viel in diesem Buch. In einem Bergdorf im Tessin, in dem nur wenig Leute leben, in dem ein Bauer noch die letzten Kühe hat, in dem allerdings auch eine Bar gibt, lebt der neunzig Jahre alte Kauz Felice. Diesen begleitet eine Woche lang der moderne junge Ich-Erzähler in diesem kleine Roman und passt sich dessen Lebensgewohnheiten an. Beinahe vor Sonnenaufgang, meist vor dem ersten Hahnenschrei steht der Alte auf, geht meist barfuß in den nahegelegenen Kiefernwald, um in einer sogenannten Gumpe ein kaltes Bad zu nehmen, auch bei Regen, auch bei Schnee. Danach hackt er Holz, sammelt Früchte, sucht Pilze, besorgt Käse. Im Zuge dieser Entschleunigung erlebt der junge Mann, was wirkliche Dunkelheit ist, erlebt bisher ungehörte Stille, nimmt mit allen Sinnen die Natureindrücke wahr und erfährt manch anderes Geheimnis von dem wortkargen alten Mann – und die Lesenden mit ihm. Dieses handlungsarme Buch über ein in die Natur eingebettetes Leben ohne Ablenkung ist übrigens niemals langweilig, im Gegenteil, es ist eine beglückende Lektüre! kp


240 Seiten
€ 24,-

Richard Ford. Irische Passagiere

Aus dem Englischen von Frank Heibert
Verlag Hanser Berlin


Richard Ford gehört zu den wichtigsten US-Amerikanischen Gegenwartsautoren. Neben zahlreichen Romanen, unter anderem mit dem Pulitzer Prize ausgezeichnet, hat der jetzt 76jährige immer wieder auch Kurzprosa vorgelegt, komprimierte Meisterwerke von sprachlicher Brillanz und scharfsichtiger Analyse der amerikanischen Zeitstimmung.
„Das war typisch Maine, diese Aura von Ereignissen, die man gerade eben nicht mehr sehen konnte. Heimlich, aber eigentlich nicht geheim.“
Richard Ford lebt in Maine, und in seinem jüngsten, jetzt vierten Erzählungsband schärft er (wieder einmal) den Blick für die psychischen und moralischen Muster hinter den scheinbar glatt sich abspulenden Lebensläufen seiner konventionellen Figuren. Die meisten Mittelstandsamerikaner mit irischen Wurzeln, sind sie alles andere als in sich gekehrte, vom Leben gebrochene Charaktere. Sie geben durchaus gern etwas von sich preis, sind pragmatisch agierende Passagiere im eigenen Leben, die sich mit den anfallenden Gegebenheiten arrangieren wollen.
„Seiner Meinung nach passierten die meisten Ereignisse so, wie sie sollten.“
Eigentlich kann ihnen nicht viel passieren, in der breiten Spanne ihrer Lebensmitte. Profitable Berufe und abbezahltes Eigentum geben Sicherheit, „das Leben versuchte gut zu verlaufen“. Und dann passiert ihnen doch etwas: Ehescheidungen, Affären, überraschende Todesfälle, angeknackste Eltern-Kind-Beziehungen. Wie sie in die Wirren ihrer bürgerlichen Biografie geraten und sich dort einrichten, daraus leiten die Figuren nur jene Erkenntnisse ab, die ihre Gewissheiten nicht allzu sehr in Frage stellen. Schmerzen und Verluste stehen einer Lebensroutine gegenüber, an der sie oft mit einer coolen Unbedingtheit festhalten. Hauptsache weitermachen.
„Etwas geschieht und scheint das ganze Leben zu verändern, und dann raspelt sich alles zum erträglichen Maß zusammen.“
Richard Fords Kunst besteht gerade darin, seine Figuren in ihrem Weiter-so nicht nur mit kritischer Klarheit zu beleuchten. Über die Risse und Unwuchten in ihrer gut und situiert scheinenden Existenz schreibt er mit einer Zärtlichkeit und einem Blick des Mitgefühls, derer sie so sehr bedürfen. Als Leserin und Leser erfährt man nur ein Bruchstück ihrer Biografie, deren Kipppunkte und daraus resultierenden emotionalen Konsequenzen der Autor sprachlich meisterlich erfasst. Literatur, sagt Richard Ford, kann einen dazu bringen, sich mehr für das eigene Leben zu interessieren. Und es tröstlicher zu betrachten, möchte man nach diesem Buch hinzufügen.
be

288 Seiten
€ 22,-

HELEN WOLFF. HINTERGRUND FÜR LIEBE

Weidle Verlag

Anfang der Dreißigerjahre - in Deutschland sind Hitler und Hindenburg allgegenwärtig, als sich ein Paar aufmacht, den Sommer in Südfrankreich zu verbringen. Er, weltgewandt, selbstsicher, überlegen, Sie, seine 20 Jahre jüngere Geliebte, noch etwas unerfahren, verliebt und voller Vorfreude auf die gemeinsame Zeit. Doch schnell muss sie feststellen, dass ihrer beider Vorstellungen sehr voneinander abweichen, sie wird bevormundet, ihre Wünsche übergangen. Und so macht sie sich auf, ihren eigenen Weg zu finden und in einem kleinen, idyllischen Häuschen in Saint-Tropez ihre Träume zu verwirklichen...
Die Verfasserin dieses autobiographischen Romans, Helen Wolff, die als Verlegerin an der Seite ihres Ehemanns Kurt Wolff eine Legende wurde, hat ihre literarisches Werk zu Lebzeiten unter Verschluss gehalten. Ihre Großnichte Marion Detjen hat das mit dem Hinweis "At my death, burn or throw away unread" versehene Manuskript von "Hintergrund für Liebe" nun zur Veröffentlichung gebracht und mit einem umfangreichen, einordnenden Essay Versehen. Ein Glück für das Publikum, das nun in den Genuss dieser lebensfrohen, von Sinneseindrücken überbordenden Lektüre kommen, die ihre LeserInnen von Anfang an packt und in eine andere Zeit entführt. Ein wundervoller Roman, voller Intensität und Leichtigkeit! mk

216 Seiten
€ 20,-

 
 

NICOLAS MATHIEU. ROSE ROYAL

Aus dem Französischen von Lena Müller und André Hansen
Hanser Berlin Verlag
 
Rose ist fast fünfzig, noch immer attraktiv, aber von den vielen kleinen und großen Enttäuschungen des Lebens desillusioniert und abgehärtet. Nach diversen Erlebnissen mit gewalttätigen Männern hat sie sich einen Revolver angeschafft, den sie immer bei sich trägt - sie hat genug von der Opferrolle, sie will, "dass die Angst die Seiten wechselt". In ihrer Stammbar kommt die Waffe zum Einsatz, als ein Fremder mit einem verletzten Hund ins fröhliche Gelage platzt. Der charmante Hundebesitzer - Luc - und Rose finden Gefallen aneinander, sie scheinen viel gemeinsam zu haben… Ob es dieses Mal gut gehen kann?
Mit dieser Novelle zeichnet der Lothringer Nicolas Mathieu, Prix-Goncourt-Preisträger 2018, ein weiteres Mal ein Bild der Melancholie des Alltags und des Daseins - nicht nur - in der Provinz; er erzählt von gescheiterten Beziehungen, Gewalt, Abhängigkeit und Angst vor der Einsamkeit. Mit seiner lakonischen Sprache und pointierten Sätzen, deren ungeschönte Wahrheit den Lesenden geradezu nach Luft schnappen lassen, entwickelt "Rose Royal" stetige Spannung und eine unwiderstehliche Sogwirkung. Hätte das Buch doch nur mehr Seiten! mk
 
96 Seiten
€ 18,-

Marko Martin. Dissidentisches Denken


Die Andere Bibliothek
 
Dissidentisches Denken, das Denken gegen totalitäre Regime, ist meist inmittelbar verknüpft mit einem frei gewählten Leben gegen die Herrschenden. Von mutigen Menschen, die das gewagt haben, hat es im 20. Jahrhundert viele gegeben. Das Buch des Berliner Journalisten und Schriftstellers Marko Martin stellt uns einige dieser mutigen Menschen vor.
Wer schon immer Interesse hatte an den intellektuellen und immer auch emotionalen Kämpfen im Widerstand gegen unterdrückerische Systeme und Ideologien, wird hier reich beschenkt. Es treten auf: Arthur Koestler, Manes Sperber, Hans Sahl, Edgar Hilsenrath und viele andere. Aber auch wenig bekannte, großartige Menschen wie Mariana Frenk-Westheim oder Anna Ranasinghe lernen wir kennen. Martin lässt sich von seiner eigenen Neugier leiten und das gibt der Darstellung etwas sehr lebendiges.Eines aber wird bei der Lektüre sichtbar: das Ringen um Freiheit und Wahrheit ist immer nötig und oft möglich! kp
 
544 Seiten
€ 42,00

Jami Attenberg. Nicht mein Ding


Aus dem Englischen von Barbara Christ
Verlag Schöffling & Co
 
Andrea ist Ende 30, abgebrochene Kunststudentin, »im Prinzip Jüdin«, falls das eine Rolle spielt, und sie lebt in New York. Von ihrer ersten eigenen Wohnung aus, einem kleinen schäbigen Loft in Brooklyn, malt sie jeden Abend das Empire State Building, sechs Jahre lang, bis ein Neubau ihr die Aussicht versperrt. Der Job, den sie gefunden hat, macht sie nicht glücklich, sie hasst ihn sogar, aber immerhin lässt er die anderen Menschen in ihrem Leben aufatmen, weil er ihr scheinbare Sicherheit verschafft. Denn es sind die anderen, die mit Andreas Lebensart nicht zurechtkommen. Es sind die anderen, denen sie Angst macht - mit den wechselnden Männerbekanntschaften, mit dem Job, der nicht ihrer Selbstverwirklichung dient, mit der Überzeugung, dass sie kein Kind braucht. Sicher, Andrea zweifelt auch, aber sie weiß: »Die Beständigkeit meiner Unbeständigkeit. Sie gehört zu mir, so stehe ich da."
Als die Mutter aus New York wegzieht, ist das ein großer Einschnitt für Andrea. Jetzt muss sie allein zurechtkommen in der Stadt, ohne ihre unkonventionelle und streitbare Mutter. Es ist vielleicht ihr Moment des Erwachsenwerdens, ein Moment, in dem das Buch an Größe gewinnt, weil es schön ist zu erkennen, dass es mehr als nur einen Weg gibt, erwachsen zu werden, wenn man sich nur bewusst dafür entscheidet. Andrea ist eine spannende Figur, plastisch, nicht frei von Widersprüchen. Ebenso wenig geradlinig wie Andreas Leben ist die Erzählweise der Autorin: Der Text greift immer wieder bereits Erwähntes, scheinbar Belangloses auf und entwickelt auf diese Weise mit der Zeit eine schöne Tiefgründigkeit, die mit dem aufkommenden »Sex-and-the City-Gefühl« vom Anfang nichts mehr gemein hat. Nicht Ihr Ding? Vielleicht doch. nc
 
224 Seiten
€ 22,00

JACKIE THOMAE. BRÜDER

Hanser Verlag

Mick und Gabriel kennen sich nicht und auf ersten Blick wirken sie grundverschieden. Aber sie sind Brüder, Halbbrüder. Ihr Vater, ein Austauschstudent aus Senegal, bleibt nicht. Er geht zurück, um sich erst vierzig Jahre später wieder zu melden.

Man liest begierig beider Geschichten, verfolgt ihren Weg bis zur Lebensmitte. Die Figuren gehen einem nah und werden zu Personen, die man näher kennenlernen möchte. Das ist nur eine der großen Stärken dieses Buches. Denn Thomae lässt auch Berlin wiederauferstehen, als es noch eine riesige Versuchsanordnung war, von vielen Glücksrittern bevölkert wurde und niemand etwas mit den Begriff Gentrifizierung anfangen konnte. Mick nämlich, ist einer dieser Glücksritter, zur richtigen Zeit (90er Jahre) am richtigen Ort (Berlin natürlich) lässt er sich durch sein Leben treiben, ohne Ziel aber mit viel Spaß dabei.

Gabriel dagegen arbeitet, sehr viel, irgendwann zu viel. Er macht eine beeindruckende Karriere in London und versucht sein Leben planvoll zu gestalten. Klar, dass das irgendwann schief geht, oder doch nicht?

Leichtfüßig und elegant geschrieben, dabei keine Klischees bedienend, ist hier eine Philanthropin am Werk, die ihr Handwerk versteht. Denn am Ende des Buches angelangt, zwickt es einem im Gemüt, da man Mick und Gabriel nun verlassen muss und man doch hofft, einen von ihnen an der nächsten Ecke zu treffen. hd

429 Seiten
€23,00

SIBYLLE LEWITSCHAROFF. VON OBEN

Suhrkamp Verlag
 
In ihrem neuesten Buch begibt sich Sibylle Lewitscharoff mit ihrer erzählenden Hauptfigur ins Jenseits, von wo aus sie das Treiben der Hinterbliebenen und überhaupt das Dasein der ehemaligen Mitmenschen beobachtet. Sie tut das kritisch, bisweilen überraschend poetisch und manchmal mit spitzzüngigem Humor. Manche Betrachtungen sind durchaus philosophisch (es geht schließlich auch immer wieder um die sogenannten „letzten Fragen“) und kulturkritisch grundiert, ja fast gelehrsam, was nicht stört!
Bei einer Autorin, bei der Spott und Kontroverse so oft nah beieinander liegen, ist dies Buch verblüffend diskret und zart. Ich wünsche ihm viele Leser. Klaus Palme
 
240 Seiten
€ 24,00

VALERIA LUISELLI. ARCHIV DER VERLORENEN KINDER


Kunstmann Verlag
 
Übersetzt von Brigitte Jakobeit
Sie lernen sich bei einem Klangkunstprojekt auf den Straßen New Yorks kennen, verlieben sich, ziehen mit ihren jeweiligen Kindern, »dem Mädchen und dem Jungen«, zusammen und werden eine Familie. Der Roadtrip beginnt, als sie im Sommer mit dem Auto quer durch die USA Richtung Apacheria und Mexiko reisen, er auf den Spuren der Apachen, sie, um Stimmen der Kinder einzufangen, die täglich alleine an den Grenzen der USA stranden – wenn sie es bis dorthin schaffen. Im Spannungsfeld zwischen den einen, den Reisenden, und den anderen, den Fliehenden, bewegt sich diese Geschichte. Trotz der kaleidoskopartig angeordneten Kapitel gerät das große Ganze nie aus dem Blick - »was Flucht und Menschlichkeit bedeuten in einer Welt, die aus den Fugen geraten ist.« Norma Cassau
 
432 Seiten
€ 25,00

ALEXANDER OSANG. DIE LEBEN DER ELENA SILBER

S. Fischer Verlag
 
Angelehnt an die Geschichte seiner Familie erzählt Alexander Osang das bewegte Leben seiner Großmutter Elena – und noch viel mehr. Der Roman spielt auf verschiedenen Zeitebenen, im vorrevolutionären Russland, in Nazi-Deutschland, in Ostdeutschland und in der Gegenwart. Das Leben treibt Elena westwärts, von der Oka an die Wolga, weiter an die Moskva und die Elbe bis an die Spree, und als Leser folgen wir gern dem Strom der Zeit, die drei Generationen miteinander verbindet. Norma Cassau
 
620 Seiten
€ 24,00
 

Michael Lüders. Die Spur der Schakale

Beck Verlag
 
Es beginnt mit einem Toten, dem stellvertretenden Vorstandsvorsitzenden eines Staatsfonds in Norwegen. Eine kleine Gruppe von norwegischen Geheimdienstlern und eine deutsche Journalistin beginnen mit ihren Ermittlungen und werden dabei immer wieder von unbekannter Seite und in unerwarteter Weise behindert. So weit, so erwartbar und so spannend. Brisant an diesem Politthriller von Michael Lüders, dem anerkannten, bisweilen umstrittenen Nahostexperten, ist die Tatsache, dass einer der Hauptakteure dieses Buches eine amerikanische Fondsgesellschaft ist. Diese verwaltet weltweit ein Finanzvolumen von über 6 Billionen Dollar und ihr Geschäftsziel ist einzig und allein Gewinnmaximierung, also aus Geld mehr Geld zu machen. Ihre Macht besteht aber nicht nur aus dem reinen Geldvermögen (größer als beinahe jede Volkswirtschaft auf der Erde), sondern auch aus einem unermesslich großen Datenvolumen, das sie generieren und das ihnen vor allen Konkurrenten immense Vorteile verschafft. Lüders nennt dieses Unternehmen in seinem Buch leicht verhüllt „Blackhawk“, aber man ahnt, welches er als Vorlage für seinen Thriller im Sinn hatte. Ein solches Unternehmen gibt also wirklich und es ist bei der Verfolgung seiner Geschäftsziele absolut skrupellos. Daraus macht Lüders einen spannenden Thriller, der wegen seiner Realitätsnähe äußerst erschreckend ist!
Dieses Buch hat also neben dem enormen Unterhaltungs- auch einen eminenten Erkenntniswert. kp

394 Seiten
€ 17,50

Yishai Sarid. Monster

Kein & Aber Pocket Verlag
 
Eigentlich wollte er im Bereich der Mittelaltergeschichte mehr oder weniger reüssieren, vor allem aber seine Ruhe haben. Im Roman „Monster“ von Yishai Sarid lernen wir einen zunächst nicht sehr ehrgeizigen israelischen Junghistoriker kennen. Bald stellt sich heraus: Aufstiegsschancen bestehen nur, wenn er sich „vor den Karren der Erinnerung“ spannen lässt. Gemeint ist die Erinnerung an die Schoa.
So strebt er alsbald eine Promotion in Yad Vashem an und arbeitet dort als Guide. Der Roman ist ein Brief an den Leiter der großen Jerusalemer Gedenkstätte oder genauer, ein Bericht der Rechtfertigung für einen Vorfall, der erst auf der letzten Seite aufgelöst wird.
Die Sprossen der Karriereleiter werden dann auch rasch erklommen. Bald führt der akribische Doktorand in Polen Schülergruppen durch die KZ-Gedenkstätten und avanciert zu einem gefragten Berater auch für ranghohe staatliche Stellen. Er geht im institutionalisierten Betrieb der Erinnerungskultur auf: Phlegmatische Schulklassen, abgelenkte Touristen, hoffnungsvolle Geistliche, Gaming-Nerds und ein deutscher Filmemacher – sie alle ringen mit dem namenlosen Ich-Erzähler um das vermeintlich richtige Erinnern.
Doch die inneren Widersprüche häufen sich: Wie ist es möglich die Geschehnisse in den Konzentrationslagern wirklich zu vermitteln? Wie soll er auf provokante Äußerungen der Schulklassen reagieren? Ihm selbst setzen die Planmäßigkeit der Vernichtung und die herrschaftliche Machtausstrahlung der Täter immer härter zu. Der kühle historische Blick trübt sich mehr und mehr, als es schließlich zum finalen Gewaltakt kommt.
Sarid geht mit den Beschreibungen der Gedenkrituale und ihren fiktionalen Ausgestaltungen an die Grenze des Erträglichen. Doch er tut es mit einer Sprache, hinter deren nüchterner Gebärde die drängende Frage nach einer Erinnerung steht, die vom Monströsen erzählt, sich aber nicht selbst zum Monster auswächst.
„Monster“ ist ein Buch welches man atemlos, oft bestürzt und bewegt, vor allem aber um wichtige Fragen für das Heute bereichert, liest. tw

176 Seiten
gebunden, € 21,00
Ab April 2020 im Taschenbuch für € 12,00

STIG SÆTERBAKKEN. DURCH DIE NACHT

Dumont Verlag

Dieses Buch bleibt lange im Gedächtnis. Es ist eine Reise in die dunkelsten Gefilde der Seele.

Ein Mann, angetrieben vom Selbstmord seines Sohnes, driftet aus seinem saturiertem Dasein in eine existentielle Krise.

Die literarische Qualität des Textes ist hoch, Sæterbakkens Können offensichtlich. Der Text entfaltet eine Sogwirkung, der man sich nicht entziehen kann. Man begleitet den Protagonisten auf dieser Reise und wird dabei konfrontiert mit seinem Versagen, seiner Ehrlichkeit und seiner Selbstzerfleischung. Daneben erfährt man auch von den guten Zeiten und glücklichen Tagen, die mit einer solchen Zartheit und Grazilität erzählt werden, dass es einem fast das Herz zerreißt.

Es bleibt zu hoffen, dass auch die anderen Werke Sæterbakkens in Deutsche übertragen werden. hd

 

288 Seiten
€ 22,00

RAYMOND QUENEAU. ZAZIE IN DER METRO

Aus dem Französischen von Frank Heibert

Suhrkamp Verlag

Queneau erzählt in „Zazie in der Metro“ die Geschichte einer rotzfrechen Göre aus der französischen Provinz, die von ihrer Mutter bei ihrem Onkel Gabriel in Paris abgeliefert wird, um sich ein Wochenende mit ihrem Liebhaber zu gönnen. Zazies einziger Wunsch ist es, mit der Metro zu fahren, die ausgerechnet an diesem Wochenende bestreikt wird. Aus Langeweile büxt sie aus und erkundet die Stadt auf eigene Faust. Dabei hat sie kuriose Begegnungen mit zahlreichen dubiosen und schrägen Charakteren. Wiedervereint mit ihrem Onkel machen er und sein Freund Charles eine Stadttour mit ihr, auf der Gabriel von einer begeisterten Touristengruppe entführt wird. Nun machen sich Zazie, Charles und zwei neue, aufgelesene Bekannte, auf die Suche nach ihm. Nach einem dramatischen Showdown am Ende des Buches und eines langen Tages verpasst Zazie die lang ersehnte Fahrt mit der Metro, da sie sie verschläft.

60 Jahre nach dem Erscheinen dieser nicht stringent erzählten, atemlosen Geschichte, die einem sprachlichen Feuerwerk gleicht, hat Frank Heibert eine neue Übersetzung vorgelegt. Einerseits geht er freier mit dem originalen Text um, indem er beispielsweise Namen verändert, andererseits zeigt er sich weniger zurückhaltend bei der Übersetzung von Kraftausdrücken und Umgangssprache als die erste deutsche Ausgabe aus dem Jahr 1960. Auch in der Übersetzung Eugen Helmés von 1960 bleibt der Roman noch heute modern, - Zazie ist und bleibt ein frappierend respektloses und wortgewandtes Mädchen, einige Charaktere wechseln ohne nähere Erklärung Persönlichkeit, Namen oder Geschlecht, - doch die Übersetzung Heiberts ist temporeicher, und der spürbare Spaß des Übersetzers an der Sprache an sich sowie an der surrealen Handlung überträgt sich auf den Leser und die Leserin.

Der Neuübersetzung des Romans sind zudem zwei Kapitel aus Queneaus Manuskripten hinzugefügt, in denen Zazie endlich zu ihrer Metrofahrt kommt. Diese Kapitel sind  eine unterhaltsame Ergänzung und literaturwissenschaftlich interessant, da sie Einblick in die verworfenen Ideen Queneaus erlauben. Gleichzeitig zeigen sie auch, warum er sich gegen die Aufnahme der Kapitel entschieden haben mag, nicht nur, weil sie dem Titel den ironischen Witz genommen hätten.

Man kann es mit dem sprechenden Papagei Laverdure halten, der immer wieder kommentiert: „Du quatscht und quatscht, sonst hast du nichts zu bieten“. Das aber mit Bravour und unbändigem Spaß an der Sprache.
Christine Mathioszek

239 Seiten
€ 22,-

BARBARA HONIGMANN. GEORG

Hanser Verlag


Wir können der Geschichte nicht entfliehen, erst recht nicht der eigenen. Barbara Honigmann hat es in all ihren schmalen, aber sehr intensiven Büchern verstanden, sich ihrer selbst über das Ergründen der Eltern zu vergewissern. Das jetzt erschienene Buch über ihren Vater Georg ist eine nachgetragene Liebeserklärung, die begreiflich macht, wie sehr wir mit der Geschichte unserer Eltern verklammert sind, wie nah wir ihnen kommen können, wenn wir auch ein Stück weit zulassen, sie niemals ganz ergründen zu können. Georg Honigmanns Biografie ist für einen Teil der Deutschen des 20. Jahrhunderts geradezu exemplarisch: assimilierter Jude, Freidenker, Verfolgter des Naziregimes, Emigrant, Kommunist, Rückkehrer, nirgendwo richtig zu Hause, für die DDR, in die er aus Überzeugung zog, zu elegant, zu weltläufig, zu frei- und feingeistig, zu wenig tatkräftig. Gleichwohl ordnete er sich der Partei unter und litt und war auch privat oft sehr unglücklich. Viermal verheiratet, die Frauen blieben immer dreißig, zog er mal hier mal dort hin und kam nie wirklich irgendwo an, am wenigsten bei sich selbst und seinem tief im Innern schlummernden Judentum. Was für ein wunderbares, literarisch dichtes und wahrhaftiges Buch einer Tochter über ihren Vater. Und ganz nebenbei ein Buch, das deutsche und DDR-Geschichte erzählt, zum besseren Verständnis dieser so unendlich komplexen Materie. Silke Grundmann
 
160 Seiten
18€

SAŠA STANIŠIĆ. HERKUNFT

Luchterhand Verlag

Dieses Buch ist das schönste, bedeutendste, poetischste und bleibendste, was ich in diesem Frühjahr gelesen habe. Saša Stanišić, bezeichnet als der „Libero“ (Ijoma Mangold) der Deutschen Gegenwartsliteratur, schreibt über Herkunft (Jugoslawien), Vertreibung (Krieg), Heimat (Ist Sie eine Zeit oder ein Ort?), Ankommen (Heidelberg), Ausgrenzung (zu viele Häkchen im Namen), Aneignung (das erste Plusquamperfekt und die Sprache Hölderlins), Erinnerung (die eigene und die der Großmutter). Und das in einem so ausgewogen emotionalen wie reflektierten Stil, jegliches zarte Kitschaufkommen umschiffend und frei und lebendig erzählend, daß man sich nur freut, ja freut, wenn wieder einmal ein Satz so überraschend munter und doch tief durchdacht die wichtigsten Dinge des Lebens zusammenführt. Dieser Autor ist ein kluger und einfühlsamer Menschenfreund, ein präziser Beobachter und ein leidenschaftlicher Geschichtenerzähler. Wie schön, dass es solche Bücher gibt! Ob 14 oder 94, dieses Buch sollten alle lesen! Dieses Buch wird bleiben - und hoffentlich eines nicht so fernen Tages Kanon sein. Silke Grundmann

355 Seiten
22€

KOHLHAAS & COMPANY
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